Geschichte des Thämert-Areals

Stammhaus Eisenacher Straße 3,
am Fenster oben Luise, unten Mathilde

Anfang

Um das Jahr 1900 führte die Witwe Mathilde Thämert einen kleinen Lebensmittelladen an der Eisenacher Straße 3. Nebenbei betrieb sie im Hinterhaus eine Hausschlachterei, legte Gurken und Sauerkraut ein und kochte Pflaumenmus.
Ihr ältester Sohn Hermann übernahm 1908 das Geschäft und baute es aus. Dazu kam ein Versandhandel. Produktion und Absatz stiegen ständig. Besonders das Pflaumenmus, das nach dem Rezept von Mutter Mathilde „gebraut“ wurde, fand im Versandhandel und bei den Belegschaften der umliegenden großen Betriebe reißenden Absatz.

Gründung

Ehepaar Hermann und LuiseThämert

1910 gründeten Hermann Thämert und seine Frau Luise, geb. Langenhahn, die Firma „HERTHÄ“. Die wachsende Produktion lief zunächst in der Eisenacher Straße weiter. 1912 erwarben die Firmengründer Gartengrundstücke in der Brunnenstraße, wo sie ein Kesselhaus mit Schornstein bauen ließen. Schon bald wurden größere Mengen Pflaumenmus in einer Halle mit 10 Kupferkesseln gekocht. Produktion und Absatz wuchsen stetig.

1924 entstand eine neue Fabrik mit Büro- und Produktionsgebäuden an der Brunnenstraße 44/45. Hier wurden Konserven verschieden Art hergestellt, z.B. Obst und Gemüse, Marmeladen, Konfitüren und Rohkonserven, wie Salzgurken und Sauerkraut.

1930 bis 1945

Die Produktion stieg auf mehr als 1,5 Millionen Weißblechdosen pro Jahr. In den Kriegsjahren 1940-45 kamen umfangreiche Aufträge für das Militär dazu. Vorausschauend investierten die Besitzer in eine leistungsfähige Trocknungsanlage. Trocken-Obst und -Gemüse (z.B. Kartoffeln) waren leicht und ließen sich gut transportieren und lagern.

25 Jahre Herthä

Muskocher Meister Luhn

1945

Nach Kriegsende wurden Hermann und Luise Thämert durch die sowjetische Besatzungsmacht nicht enteignet, da die Versorgung der Bevölkerung und des sowjetischen Militärs mit Lebensmitteln in den ersten Nachkriegsjahren absolute Priorität hatte. Trotzdem nahmen Produktion und Belegschaft ab. Die bisherigen Zulieferer von Obst, Gemüse, Verpackungsmaterial lagen nämlich in den westlichen Besatzungszonen. Trotz steigender Aufträge entstanden Engpässe. Die Verpackung wurden von Weißblechdosen auf Gläser umgestellt. Obst- und Gemüselieferungen kamen nun aus den Ländern der sowjetischen Besatzungszone: Thüringen, Sachsen, Sachsenanhalt und Mecklenburg.

50ger Jahre

40 Jahre Herthä

1950 feierten Hermann und Luise Thämert und die Belegschaft das 40jährige Firmenjubiläum. Die Konservenproduktion konnte wieder gesteigert werden. Die Belegschaft vergrößerte sich erneut auf über 150 Personen. Eine entscheidende Zäsur brachte das Jahr 1952, als Hermann Thämert im Januar verstarb. Im Jahr darauf erzwang der DDR-Staat ein Mitspracherecht in der Firma, indem er finanzielle Anteile erwarb. Von da an existierte die Firma weiter als so genannter halbstaatlicher Betrieb. Luise Thämert übernahm zusammen mit ihren Schwiegersohn Kurt Starkloff in den folgenden Jahren die Geschäftsleitung.

Folgejahre

1960 feierte HERTHÄ das 50jährige Geschäftsjubiläum. Die Firma arbeitete stets erfolgreich und konnte 1971 einen Gewinn von über einer Million Mark erwirtschaften. 1972 enteignete der DDR-Staat die Eigentümer. Die Firma wurde wie viele andere Betriebe in diesem Jahr verstaatlicht und firmierte fortan unter dem Namen „VEB Thüringer Pflaumenmus- und Konservenfabrik“.

Nach der Wende

Familie Starkloff-Thämert (Foto 1946),
rechts auf dem Knie, Heidrun von Amende, geb. Starkloff

Nach der sog. Wende verzichteten die Erben der Familie Thämert 1993 auf das Weiterführen der Produktion zugunsten der MÜHLHÄUSER Pflaumenmus GmbH, die sich auf dem Cottana-Gelände am Stadtrand angesiedelt hatte. Das Grundstück an der Eisenacher-/ Brunnenstraße wurde für die Umnutzung rechtlich gesichert.
Um das Baurecht zu erlangen, musste das bis 1972 eigene, schuldenfreie Grundstück für 900`000 DM von der Treuhand zurückgekauft werden. Heidrun von Amende, geb. Starkloff, Enkelin des Hermann Thämert, erwarb das Grundstück mit Hilfe eines Schweizer Investors.

Mit dem Abbruch der alten Fabrik und dem Verkauf von 1000 m2 an die Bundesstraßen­verwaltung ermöglichte die neue Besitzerin 2001 den großzügigen Ausbau der Brunnenstraße, der den Ring um die Altstadt vervollständigte.

2004 entstand auf der Osthälfte des Grundstücks dank des Schweizer Investors ein PLUS-Markt (heute NETTO) zur Nahversorgung des Stadtberggebietes.

Vor Abbruch mit neuer Brunnenstraße

49 Mietwohnungen mit Gewerbe im Erdgeschoss

2012 wurde die Firma HvA Neues Wohnen GmbH & Co. KG gegründet mit dem Ziel, auf dem westlichen Teil des Thämert-Areals eine Wohnanlage zu errichten.